Rollespiele 2015: Shadowrun: Hong Kong

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Die Bewohner von Hong Kongs Super-Slum, der Walled City, werden Nachts von seltsamen Träumen heimgesucht. Ein Erlebnis, in dessen Genuss ihr ebenfalls kommt, als ihr in Hong Kong nach eurem verschwundenen Vater sucht. Aus einem normalen Besuch in Kowloon, wird plötzlich eine Flucht vor der Hong Konger Polizei. Euch bleibt keine andere Wahl, als eure SIN zu verbrennen, in die Schatten abzutauchen und eine neue Karriere als Shadowrunner zu starten.

Shadowrun: Hong Kong ist die nunmehr dritte Kampagne zum Cyberpunk Rollenspiel und wie die vorangegangenen ein eigenständiges Spiel. Nach dem unglaublich großen Erfolg von Shadowrun: Dragonfall, der auf eine der besten Storys in der Computerrollenspielgeschichte zurückzuführen ist, hat die Kickstarter Kampagne zu Hong Kong sämtliche Rekorde gebrochen. Sogar die Strech-Goals wurden übertrumpft, weshalb das gesamte System von Shadowrun Returns für Hong Kong vollkommen überarbeitet wurde.

Wie zuvor steigt ihr zum Leiter eines Shadowrunner-Teams auf, das parallel zu eurem Hauptcharakter levelt. Mit jeder neuen Stufe können für die Teammitglieder jetzt neue Fähigkeiten ausgewählt und damit bestimmt werden, ob die Person sich Beispielsweise mehr in Richtung Decker oder Straßensamurai entwickeln soll. Das rüstet gleichzeitig die Waffen und übrige Ausrüstung auf. Der eigene Charakter erhält wie gewohnt Karma-Punkte durch erledigte Runs und Bonusaufgaben, mit denen unzählige neue Fähigkeiten im überarbeiteten Charaktersystem frei gestaltet werden können. Charisma Werte geben zusätzliche Etiquetten zur Auswahl und damit neue Lösungsmöglichkeiten für Quests. Aufwertungen des Körpers verändern die Affinität für Cyberware und ermöglichen damit mehr Implantate. Wissen steigert nicht mehr nur die Zauberfähigkeiten von Schamanen, sondern gewährt auch Straßensamurais Zauber zur Verbesserung ihres Kampfverhaltens usw.

Waffen, Cyberdecks, Drohnen und dergleichen können wie üblich bei Händlern nahe des eigenen Safehouses erworben werden, was dieses mal ein abgewracktes Schiff im Hafen ist. Wie üblich dienen die Gegenstände primär dem Hauptcharakter, können vor einem Run jedoch ebenso einem anderen Runner "geliehen" werden. Was besonders praktisch ist, wenn ihr gerade keinen Decker als Hauptcharakter gewählt habt, so drückt ihr Is0bel einfach ein besseres Cyberdeck in die Hand und gebt ihr ein paar neue Programme zur ICE-Bekämpfung und schon läuft der Matrixausflug geschmeidiger.

Die Matrix hat die wohl größte Veränderung durchlebt. Vorüber ist der konstante Rundenmodus. Die Matrix wechselt jetzt zwischen Echtzeit und Runden-Modus. Späh-Programme mit Sichtkegel schleichen durch die elektronischen Gänge und suchen nach Eindringlingen. Nur im Falle der Entdeckung, beginnt ein rundenbasierender Kampf gegen ICE. Wichtige Datenspeicher (Nodes) werden von einer Firewall geschützt, die per Brute Force verschlagen oder über ein mehrstufiges Senso-Spielchen - Tastenreihenfolgen nachspielen - geöffnet werden können. Die Brute Force Methode steigert selbstverständlich den Traceback zum Decker und ruft beim Maximum schwarzes ICE herbei.

Abgesehen von der Deckerin Is0bel, gehören zum neuen Team standardmäßig der russische Rigger Racter, die Ratten Schamanin Gobbet und euer Bruder und ehemaliger Sicherheitsmann Duncan Wu. Bei einem der ersten Runs gesellt sich, je nach Questentscheidung, der ehemalige Red Samurai und mittlerweile zum Ghul mutierte Gaichu hinzu. Damit ist das Team vollständig. Es gesellen sich jedoch zeitweise während eines Runs weitere abgedrehte Runner hinzu, wie beispielsweise eine Vampirin. Die neuen Runner sorgen dafür, dass sich Shadowrun: Hong Kong mehr in Richtung BioWare Rollenspiel entwickelt, als Dragonfall oder Shadowrun Returns. Denn in mehreren Gesprächen mit ihnen können persönliche Sidequests freigeschaltet werden, die ihre Vergangenheit beleuchten und die Shadowrun-Gesamtzahl zwischen 10 und 15 variiert. Dank übermäßiger Spenden glänzt Shadowrun: Hong Kong ebenfalls mit einem animierten Intro, Zwischensequenzen, die beim Schlafen ans Licht kommen, und Abspännen mit vier verschiedenen Variationen.

Alles in allem ist Shadowrun: Hong Kong die technische beste der drei Kampagnen und die wenigen Euros wert. Geschichtsmäßig ist es jedoch eher ein Rückschritt gegenüber Dragonfall. Es bietet deutlich mehr Lösungswege für alle Probleme und Nebenaufgaben, jedoch auf Kosten der Hauptgeschichte. Sobald die ersten unabhängigen Runs als neue Shadowrunner gemeistert sind, wird die eigentliche Geschichte in zwei Runs erzählt und damit endet die Kampagne bereits. Gamestopper-Bugs gibt es keine, das neue Echtzeit-System der Matrix führt jedoch häufig zu Hängern, was wiederum in unfreiwilliger Entdeckung der Persona und somit im Kampf endet.

Erstellt von Pandur | am 26.08.2015

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