Rollespiele 2014: Shadows: Heretic Kingdoms

Jahrelang hat er sich in den Katakomben der Wüstenstadt versteckt. Aber jetzt dringen immer häufiger Kriegsgeräusche von der Oberfläche hinunter. Magie strömt durch seinen gebrechlichen Körper, als er das Ritual beginnt. Ein Dämon, ein Verschlinger erscheint vor ihm. Die Schemenhafte Gestalt gehorcht ihm aufs Wort und bahnt sich ihren eigenen Weg durch die düsteren Katakomben von Thole.

Dieser Verschlinger oder Devourer ist die zentrale Figur des Spielers von Shadows: Heretic Kingdoms. Nach einer kurzen Gewöhnung an das Kampfsystem, folgt die sonst übliche Charakterauswahl durch Gräber von gefallenen Helden. Wie in der Welt der Diablo-Klone üblich stehen ein Krieger, Bogenschütze oder eine Magierin zur Auswahl. Von diesem Punkt an kann ständig zwischen dem Devourer und dem gewählten Avatar gewechselt werden. Der Kniff von Shadows: Heretic Kingdoms ist jedoch, dass es nicht bei diesen beiden Wesen bleibt. Jeder besiegte Endgegner wird fortan von dem Devourer verschlungen und kann anschließend verkörpert werden. Damit das System übersichtlich bleibt, kann an jedem Portal der Seelenschrein besucht und dort eine Charakterauswahl getroffen werden. Neben dem Devourer selbst lassen sich so drei aktive Charaktere wählen, in die sich der Devourer verwandeln kann.

Zudem findet das Spiel auf zwei Ebenen statt. Die verschlungenen Gestalten existieren in der realen Welt und können dort Truhen öffnen, Fässer zerschlagen, mit normalen Passanten reden und bei Händlern Ausrüstung kaufen. Während der Devourer ausschließlich in der Geisterwelt existiert und dort andere Geister bekämpft, mit ihnen redet oder Waffenverstecke findet. Diese Kombination muss genutzt werden, um Hindernisse zu überwinden. Beschränkt sich das zu Beginn darauf als Geist über eingestürzte Brücken zu schweben oder in physischer Gestalt Wände einzuschlagen, wird es nach kurzer Zeit etwas komplexer. In dem z.B. die richtige Kombination für ein Druckplattenrätsel in der einen Gestalt abgelesen und der anderen angewendet werden müssen. Ebenso gibt es Hindernisse, die nur von einem besonders starkem Charakter wie dem Ironclad Giant eingeschlagen werden können usw.

Jeder Spieler-Charakter hat die typische rote und blaue Energieanzeige. Wobei der rote Balken die individuelle Gesundheit des Charakters widerspiegelt und der blaue einen gemeinsamen Seelenpool repräsentiert, der sich in Gesundheit für einen beliebigen Charakter umwandeln lässt. Stirbt einer der Charaktere durch zu hohen Trefferpunkteverlust, kann ihn ein anderer an einem Portal wiederbeleben. Obwohl es ähnlich klingt, ist das System nicht ganz so ergiebig wie kleine rote, am Boden liegende Gesundheitskugeln und erhöht den Schwierigkeitsgrad ein wenig. Zudem verfügt jeder Charakter über einen individuellen Talentbaum, bestehend aus sechs aktiven Talenten mit je zwei Ausbaustufen, die neue Angriffe/Zauber repräsentieren und sechs passiven Talenten, welche den Schaden erhöhen, Abklingzeiten verringern usw. Einen Talentpunkt gibt es für jede neue Stufe, welche die Charaktere erreichen. Wobei alle aktiven Charaktere die vollen Erfahrungspunkte gewinnen und inaktiven die Hälfte.

Wie im Genre gewohnt sind die zahlreichen Dungeons und anderen Örtlichkeiten eines Standortes auf der Weltkarte mit Portalen verbunden, die einen Wechsel zu jedem beliebigen anderen Portal des Abschnitts zulassen. In diesem Rahmen können zahlreiche Hole-Gegenstand-A-aus-Dungeon-B oder Zerstöre-Objekt-C-in-Dungeon-D Quests erfüllt werden. Was jedoch kein Muss ist. Denn diese Nebenaufgaben werden meistens nur mit Gold belohnt, über welches zusätzliche Ausrüstung erworben werden kann. Da sich alle Charaktere ein gemeinsames Inventar teilen, ist es äußerst hilfreich, dass an jedem Ausrüstungsgegenstand direkt dran steht, für welche Charaktere dieser verwendbar ist. Oder ob es sogar eine Zutat für eines der Rezepte ist, über die sich Heiltränke und andere Gemische anfertigen lassen, welche Attribute oder Kampffertigkeiten erhöhen.

Insgesamt spielt sich Shadows: Heretic Kingdoms wie ein weiterer durchaus gelungener Diablo-Klon, ohne wirkliche Höhen oder Tiefen. Die Grafik der Dungeons ist vollkommen in Ordnung, setzt aber keine neuen Maßstäbe. Untermalt wird das gesamte Spiel von gelungener Sprachausgabe. Die relativ starke Begrenzung der Fähigkeiten pro Charakter lässt das Talentsystem nicht überquillen, sondern macht es gut überschaubar. Da Shadows: Heretic Kingdoms im Gegensatz zu Diablo kein online-gebundenes Spiel ist, lässt sich das Spiel jederzeit abspeichern und ermöglicht dem Spieler auch kurze Sessions. Nachteilig ist hier jedoch ganz klar, dass maximal sechs Spielstände angelegt werden können, die bei 40 Stunden Spielzeit bereits nach den ersten aufgebraucht scheinen.

Update: Shadows: Heretic Kingdoms ist am 20.11.2014 als "Book I - The Devourer of Souls" erschienen, was die Hälfte des geplanten Spiels umfasst. Book II war als kostenloses Update fr Februar 2015 geplant. Der Publisher Bit-Composer hat jedoch am 03.12.2014 Insolvenz angemeldet und es ist anzunehmen, dass die Entwicklung dadurch ebenfalls zum Erliegen gekommen ist. Bis Ende März 2015 hat es kein Book II Update oder Ankündigungen dazu gegeben. Shadows: Heretic Kingdoms wurde somit bis heute nicht fertiggestellt!

Erstellt von Pandur | am 22.10.2014